Posts Tagged ‘einsamkeit’

Regen

Der kalte, eisige Regen
prasselt gegen die Fensterscheibe
rinnt an ihr hinab
um unten einfach zu zerfließen
und zu verschwinden.
Warum können Worte
nicht genauso an mir hinabfließen
und auf dem Boden
versickern, vertrocknen, verschwinden?
Stattdessen dringen sie ein,
zerfetzen, was sie berühren
Herz, Magen, Lunge, Seele.
Sie hinterlassen Kälte,
eisige Kälte,
Zittern, Schmerzen,
Einsamkeit.
Man kann den Regen abwischen,
man kann ihn trocknen,
doch Worte erzeugen Gefrierbrand
fressen sich in die Haut,
sie bleiben.
Denn wer erinnert sich an den Regen?
Niemand.

[14.11.2009 - 02:46 Uhr - Schlaflos.]

November 14, 2009Melli 1 Comment »
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Alter Mann

Immer wenn ich mit der 403 zur Arbeit fahre,  fahren wir durch die Stadt ins nächste Dorf und kommen an einem mit Tannen bewachsenen Garten vorbei.
Man kann sich das so vorstellen: Man sieht einen dunklen Holzzaun und überall Tannen. Nur an einem Eck, ist ein bisschen frei und dort stehen zwei braune Gartenstühle.
In einem dieser Gartenstühle, sitzt immer ein alter Mann, ich schätze ihn auf etwa 70 und starrt auf die Straße. Na ja, er starrt nicht direkt, aber er schaut auf nichts genaues und ich denke, er versinkt in seinen Gedanken. Er hat eigentlich immer einen jagdgrünen Mantel und einen jagdgrünen Hut (vermutlich Filz) auf und blickt immer in Richtung Straße. Manchmal habe ich versucht ihn anzulächeln, weil er so traurig aussieht, aber es kam nie etwas zurück.
Die Sehnsucht muss ein schweres Laster für ihn sein.

Was meint ihr? Ich habe mir oft Gedanken darüber gemacht, ob er auf jemanden wartet, oder was er wohl so denkt, und ich bin sicher, dass derjenige, auf den er wartet, nicht kommen wird. Falls er denn warten sollte.
Und manchmal könnt ich Weinen, wenn ich daran denk, dass er da sitzt, manchmal mitten im Regen und auf jemanden wartet, der niemals kommt.Ich möchte nicht wissen, wie es ist, wenn man jeden Tag in der Erwartung aufsteht, es könne heute passieren und man wird dann am Ende des Tages doch wieder enttäuscht. Man kennt natürlich die ein oder andere  ähnliche Situation – auch ich könnt’ sehr viele aufzählen, aber ich denke, den alten Mann hat’s in der Hinsicht schlimmer getroffen. Vergeblich auf jemanden zu warten ist ein grausames Gefühl. Enttäuschung ebenfalls.

Nun, kurz bevor ich zu meiner Mutter fuhr, verschwand der Mann. Er, der jeden Tag an seinem Zaun saß und herüber sah, war von jetzt auf gleich weg. Auch am Folgetag tauchte er nicht wieder an seinem Zaun auf. Ich fragte mich, ob er in der Zwischenzeit möglicherweise gestorben sei, ob ihm etwas passiert sei, oder ob ihn möglicherweise eine Krankheit heimsuchte und war auch noch nach 4 Wochen ratlos..

Doch heute!
Heute fuhr ich wieder daran vorbei, sah wie üblich zum Zaun und da stand er. Er stand plötzlich inmitten der Wiese VOR seinem Zaun und lächelte mich an. Er lächelte mich tatsächlich an und sah heute nicht einmal ein bisschen traurig aus.
Ich habe mich so gefreut, als würde ich die Person persönlich kennen.
Wie toll das war.

Oktober 27, 2009Melli 3 Comments »
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Hand

Bist du ganz allein,
weißt nicht wohin.
Fragst was du hier sollst
und nach dem Sinn.
Weißt ganz einfach nicht mehr weiter,
sitzt am Ende dieser Leiter
der Leiter des Lebens.
Wenn eine Sprosse bricht
ein Schmerz dich sticht
und du drohst zu fallen
Dann greife nach der Hand
die ich dir gebe.
Damit du nicht fällst
es leichter ist,
diese Leiter
zu besteigen.
Gib mir Bescheid,
wenn du Hife brauchst
denn ich bin da.
Gemeinsam -
ist man nicht einsam.

September 2, 2009Melli No Comments »
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