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Abhängigkeit

Abhängigkeit.
Klingt nach abhängen, nach rumgammeln, – schön, wenn es das nur wäre.
Es gibt viele Arten von Abhängigkeit.

Emotionale Abhängigkeit von Daten, Menschen, Erinnerungen – von all solcher fiktiven und nicht so fiktiven Dinge.
Man macht Dinge an anderen Leuten fest, zelebriert fiktive Daten, klammert an seinen Erinnerungen, kramt sie immer wieder hervor – schaut somit nicht auf das, was kommt. Man hat vielleicht nichts anderes im Kopf, oder aber man will nichts anderes im Kopf haben, man klammert an Personen/Tieren.

Das Bild im Original(c) loveiisparanoid on Deviantart

(c) loveiisparanoid on Deviantart

Und dann gibt es die körperliche Abhängigkeit. Die Abhängigkeit von Kaffee, von Drogen, Zigaretten, Kleber, Alkohol,  Gasen – allem, was das Herz begehrt – oder eher nicht – ohne die der Körper nur schwer “leben” kann, wenn er erst einmal der Sucht verfallen ist.

Die 3. und  wohl schwerste Art der Abhängigkeit: Die Mischung aus beidem.  Eine emotionale Abhängigkeit in Verbindung mit körperlichen “Entzugserscheinungen”.
Man hat eine emotionale Bindung zu einem Tier/Gegenstand/Menschen/Datum. Jenes stirbt/geht verloren/verletzt/etc. und man reagiert  darauf mit zB. Weinen, Magenkrämpfen und anderen rein körperlichen Symptomen. Richtig abhängig ist man, wenn man merkt, dass das, an dem man klammerte, gar nicht die Person/die Vorstellung ist, die man hatte. Man hat in seinem Kopf ein Ideal erschaffen, an dem man festhält. Bis irgendwann – und das geschieht doch meistens – ein Verlust ins Haus steht oder man verletzt wird. Danach hält es vielleicht ein paar Monate an, vielleicht auch nur Wochen, je nach Schwere und letztendlich merkt man, wie abhängig man eigentlich gewesen ist. Nach dem Entzug sieht man wohl alles klarer, die Drogen vernebeln einem den Kopf und das Denken.

Und letztendlich bleibt einem der fade Geschmack im Mund, die Enttäuschung und die Frage: Wofür eigentlich?

März 16, 2010Melli 8 Comments »
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Alter Mann

Immer wenn ich mit der 403 zur Arbeit fahre,  fahren wir durch die Stadt ins nächste Dorf und kommen an einem mit Tannen bewachsenen Garten vorbei.
Man kann sich das so vorstellen: Man sieht einen dunklen Holzzaun und überall Tannen. Nur an einem Eck, ist ein bisschen frei und dort stehen zwei braune Gartenstühle.
In einem dieser Gartenstühle, sitzt immer ein alter Mann, ich schätze ihn auf etwa 70 und starrt auf die Straße. Na ja, er starrt nicht direkt, aber er schaut auf nichts genaues und ich denke, er versinkt in seinen Gedanken. Er hat eigentlich immer einen jagdgrünen Mantel und einen jagdgrünen Hut (vermutlich Filz) auf und blickt immer in Richtung Straße. Manchmal habe ich versucht ihn anzulächeln, weil er so traurig aussieht, aber es kam nie etwas zurück.
Die Sehnsucht muss ein schweres Laster für ihn sein.

Was meint ihr? Ich habe mir oft Gedanken darüber gemacht, ob er auf jemanden wartet, oder was er wohl so denkt, und ich bin sicher, dass derjenige, auf den er wartet, nicht kommen wird. Falls er denn warten sollte.
Und manchmal könnt ich Weinen, wenn ich daran denk, dass er da sitzt, manchmal mitten im Regen und auf jemanden wartet, der niemals kommt.Ich möchte nicht wissen, wie es ist, wenn man jeden Tag in der Erwartung aufsteht, es könne heute passieren und man wird dann am Ende des Tages doch wieder enttäuscht. Man kennt natürlich die ein oder andere  ähnliche Situation – auch ich könnt’ sehr viele aufzählen, aber ich denke, den alten Mann hat’s in der Hinsicht schlimmer getroffen. Vergeblich auf jemanden zu warten ist ein grausames Gefühl. Enttäuschung ebenfalls.

Nun, kurz bevor ich zu meiner Mutter fuhr, verschwand der Mann. Er, der jeden Tag an seinem Zaun saß und herüber sah, war von jetzt auf gleich weg. Auch am Folgetag tauchte er nicht wieder an seinem Zaun auf. Ich fragte mich, ob er in der Zwischenzeit möglicherweise gestorben sei, ob ihm etwas passiert sei, oder ob ihn möglicherweise eine Krankheit heimsuchte und war auch noch nach 4 Wochen ratlos..

Doch heute!
Heute fuhr ich wieder daran vorbei, sah wie üblich zum Zaun und da stand er. Er stand plötzlich inmitten der Wiese VOR seinem Zaun und lächelte mich an. Er lächelte mich tatsächlich an und sah heute nicht einmal ein bisschen traurig aus.
Ich habe mich so gefreut, als würde ich die Person persönlich kennen.
Wie toll das war.

Oktober 27, 2009Melli 3 Comments »
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