Meine Meinung: A-Blogger

Für die Menschen, die nicht wissen, was ein A-Blogger ist, gibt es eine Beschreibung auf Wikipedia.

Zuallererst ist A-Blogger, oder auch Alpha-Blogger ein recht merkwürdiges Wort, könnte man meinen.
Alpha steht für den ersten Buchstaben des griechischen Alphabetes, Alpha-Tiere sind somit die “ersten” – in einer Rangordnung also die höchsten – Tiere.
Wenn man dies auf den Menschen überträgt, sollte man meinen, der A-Blogger oder auch das Alpha-Tier (wie man gerne Menschen in Leitposition nennt) sollte besonders stark, besonders aktiv und/oder besonders weise oder erfahren sein.
In Wahrheit ist es aber doch eigentlich so (wenn ich mal auf die “Topliste der A-Blogger” rumklicke), dass sie einfach nur die meisten Besucher haben und zum Großteil noch nicht einmal besonders alt oder weise  sind.

Um sich A-Blogger nennen zu dürfen, setzt man einfach nur voraus, dass man eine Masse von Besuchern anzieht und/oder möglichst oft verlinkt wird.
Wie erreicht man das am besten? Besucher bekommt man auf vielerlei Weise, zB. kann man sich in vielen Blogcommunities anmelden, überall seine Links rumspammen oder einfach das schreiben, was die Masse gern hat:  Schrott. Politik, sozialen Kram, Nachrichten und einfach nur Schrott.
Das selbe Prinzip hat man bei vielen  Fernsehsendern:  Sie senden das, was die Masse sehen will und seien wir mal ehrlich: Das ist in der Regel Schrott.
Menschen werden in ihren schlimmsten Momenten gefilmt, es gibt Talkshows, Castingshows und die ganze Welt sieht sich das an und lacht.

Zudem baut man sich einen Kreis auf – eine Leserschaft – , die erzählen wiederum anderen Leuten davon und so strömen immer mehr Menschen auf deinen Blog und wollen lesen, was man an geistigem Zeug von sich lässt. Der Großteil an Besuchern sind außerdem Bots, die den Zähler ebenso in die Höhe treiben.

Was ich nicht verstehe:
Warum wird dem so viel Bedeutung beigemessen?
Die Leute rackern sich ab, vernachlässigen mitunter ihr wahres Leben, um eine “virtuelle eigene Welt”, ein eigenes Netzwerk zu erschaffen, immer wieder neu möglichst viele Besucher anzuziehen und andauernd in ihren Besucherzähler zu sehen.  Blogger, die wesentlich weniger Besucher haben,  -wahrscheinlich auch noch B-, C-, oder E-Blogger genannt – mühen sich ab, irgendwann einmal einen ähnlichen Status zu haben. Das sieht man teilweise sogar im Twitter (“Warum habe ich nicht so viele Besucher?” , “Heute weniger Besucher als gestern”). Aber wieso?


Ich kann nachvollziehen und verstehen, dass der Austausch Spaß macht und auch, dass man sich gerne mit anderen Leuten unterhält, aber ich kann nicht nachvollziehen, dass man sein Leben in jeder Einzelheit preis gibt und mehr Zeit in seinen Blog investiert, als in sein wahres Leben.
Versteht mich nicht falsch, mir macht es Spaß zu Bloggen, aber wie kann es sein, dass man zB. nicht angesehen ist, weil man nicht jeden Tag Zeit hat zum Bloggen oder relativ wenige Besucher/Kommentare hat. Man steht quasi unter einem Zwang, möglichst aktuell zu Bloggen und möglichst interessante Beiträge zu liefern. Ist dies nicht der Fall, fliegt man schon einmal aus einer Blogroll oder aus einer “Affischaft”. Die Frage ist, wie kann sich jemand das Recht nehmen, über etwas zu urteilen (sei es wenig zu Bloggen oder Art der Beiträge) wenn er entsprechende Person nicht kennt und Blogeinträge hauptsächlich ja der eigenen Meinung entsprechen und nicht immer die Meinung der Besucher ist.
Und wie um alles in der Welt kann man sich als A-Blogger für etwas besseres halten?!

Viele der Menschen, die nicht so viel Bloggen und weniger Besucher haben, haben wenigstens eine eigene Meinung.
Mir ist es nicht wichtig, dass ich vielleicht 50 – 70 Besucher am Tag habe. Mir ist es nicht wichtig, über Dinge zu bloggen, die mich weder interessieren noch Spaß machen.
Mir ist es nicht wichtig, aus Blogrolls geworfen zu werden oder wenn jemand nicht meiner Meinung ist.

Mir ist mein Leben wichtig.
Denn wenn ich Krebs habe, oder anderweitige Probleme, hilft mir von meiner Leserschaft niemand (ohne das böse zu meinen), denn wer würde sich _WIRKLICH_ in den Zug setzen und herfahren? Niemand ;) Soziale Kontakte sind schön, eventuell kann auch Freundschaft daraus werden, aber das ist doch, wenn wir ehrlich sind, eher selten.

Worauf es ankommt, sind reale Freunde, reales Leben und das Bloggen sollte eine Nebensächlichkeit sein, die Spaß macht, aber nicht zu den wichtigen Dingen im Leben gehört.

Februar 25, 2010Melli 11 Comments »
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11 Responses to this entry

  • Halliway Says:

    Du hast es auf den Punkt gebracht. Ich gehöre auch eher zu den E bis F Bloggern, aber es stört mich nicht sonderlich. Ich schreibe über das, was mich bewegt oder interessiert und nicht das, was 10 andere Seiten schon x mal geschrieben haben. Wirklich guter Artikel *Daumen nach oben*

    Posted on Februar 25th, 2010 at 22:56 Reply | Quote
  • Kommentar zu: Meine Meinung: A-Blogger » exscribo.de Says:

    [...] hat eben in einem Artikel ihre Meinung zu den A-Bloggern kund getan. Nun möchte ich mich aber auch dazu mal äußern, weil sie hat da ein echt [...]

    Posted on Februar 25th, 2010 at 23:04 Reply | Quote
  • Timo Says:

    Hey du,

    da ich mehr dazu zu sagen hatte, habe ich mal einen eigenen Artikel
    als Antwort geschrieben.

    http://www.exscribo.de/ich-blogge/kommentar-zu-meine-meinung-a-blogger

    Lieben Gruß
    Timo

    Posted on Februar 25th, 2010 at 23:05 Reply | Quote
  • sprity Says:

    Ich saß eben mit einem Dauerkopfnicken vor meinem Feedreader, als ich den Beitrag hier gelesen habe.
    Da sind einige Gedanken dabei, die mir auch schon durch den Kopf gegangen sind.

    Ich denke mal es ist eine unterschiedliche Auffassung wie man das Bloggen versteht. Einige scheinen sich schon fast darüber zu definieren, während andere, da zähle ich mich mal dazu, es eher als nettes Hobby ansehen.

    Ursprünglich hatte ich angefangen um einige Freunde, also Real Life Freunde, zu unterhalten und auf dem laufenden zu halten und die lesen bei mir noch immer. Das ist mir so das Wichtigste. Ich sehe auch nicht ein mich zu verbiegen oder über Dinge zu schreiben die mich nicht interessieren nur um Leser zu bekommen.
    Es ist einfach mein Hobby, ich schreib was mich gerade interessiert oder was ich gesehen und gefunden habe. Deswegen verweigere ich mich auch jeglicher Werbung oder Gewinnspielen, die eigentlich gar nichts mit mir zu tun haben. Auch so reine Aktionen nur um verlinkt zu werden vermeide ich, weil das einfach nicht meine Einstellung zum Bloggen widerspiegelt. Wenn das eine Aktion ist, die mich aber interessiert und die passt, dann ist das wieder etwas anderes.
    Dieses Anbiedern über z.B. Twitter, wie du es ja erwähnst, ist mir auch ziemlich zuwider. Wenn man halt mal weniger Besucher hat, dann hat man halt weniger. Who cares? Aber dann durch diverse Aktionen höhere Besucherzahlen zu erzwingen empfinde ich nur als nervig. Auch würde ich Kommentarzahlen würde ich nicht als Gradmesser nehmen. Wenn ich danach gehen würde, könnt ich es auch gleich sein lassen. Ich komme vielleicht auf ungefähr 0,5 Kommentare pro Beitrag und da ist dann auch noch ein Teil von mir selbst. Aber mir geht es zum Beispiel so, dass ich selbst auch nicht so oft kommentiere weil ich einfach nicht die Zeit oder die passenden Worte habe. Ich lese die Beiträge im Reader, finde sie gut und hab vielleicht einfach nichts zu sagen. Dennoch habe ich den Beitrag ja gelesen.

    Umgekehrt verhalte ich mich so auch bei den Blogs, die ich im Reader habe, wenn es mich nicht interessiert oder sehr gestellt wirkt, dann lese ich sie halt einfach nicht. Habe auch lediglich 1-2 (Definitionssache) A-Blogger im Reader. Der Großteil interessiert mich einfach thematisch nicht und wenn es dann doch mal etwas Interessantes gibt, dann bekommt man das im Internet ja auch sehr schnell mit.

    Auch dein Fazit finde ich sehr passend, es ist ein netter Austausch über das Internet und ein netter Kontakt aber am Ende zählen doch die Leute, die dir auch zur Seite stehen, wenn der Rechner mal aus ist. Aber es kann sich so was ja auch durchaus aus einer Internetbekanntschaft entwickeln, aber ich glaube, dass das einige auch falsch einschätzen.

    Puh, das war viel Text ;-)
    Hätte es auch kürzer machen können und schreiben können: Recht hast du, finde ich auch.

    Posted on Februar 25th, 2010 at 23:29 Reply | Quote
  • Arne Says:

    Also ich würd dich zumindest mal besuchen kommen falls du ne schlimmer Krankheit hättest :) evtl. wär acuh etwas pflege drin^^.
    Zu dem Rest kann ich nur “ja!” sagen… bin jetzt zu faul das auszuweiten :D

    Posted on März 1st, 2010 at 18:12 Reply | Quote
  • Melli Says:

    @Timo: Cool, danke :)

    @Sprity: Ist doch nicht schlimm, wenn’s ein längerer Text wird, mich interessieren die Meinungen anderer Leute sehr :)

    @Arne: Aww, wie lieb :)

    Posted on März 2nd, 2010 at 01:01 Reply | Quote
  • Konna Says:

    Im Prinzip unterscheidest du dich doch mit diesem Beitrag nicht so sehr von den von dir gescholtenen A-Bloggern, die (angeblich) alle weniger erfolgreichen Blogger dissen. Nur weil man nicht verstehen kann, dass für manche Leute das Bloggen mehr ist als “nur” ein Hobby, muss das doch nicht zwangsläufig schlecht sein. Sollen sie doch, es zwingt dich niemand, auf denselben Zug aufzuspringen. :)

    Laut manchen Definitionen (über 1000 Besucher täglich, Erscheinen in der Liste der Blogcharts) wäre ich auch A-Blogger (auch wenn ich mich selbst nicht so sehe). Ich stecke schon recht viel Zeit in mein Blog und ich bemühe mich auch darum, einen stetigen Fluss an Beiträgen zu liefern und den Lesern etwas zu bieten. Dennoch halte ich mich nicht für etwas Besseres, aber ich bin auf eine gewisse Weise doch stolz auf das, was ich mit meinem Blog erreicht habe und freue mich, dass meine Arbeit honoriert wird.

    Sowohl diese als auch jene Art und Weise des Bloggens hat eine Daseinsberechtigung und es gibt ja auch keine Zwänge für irgendjemanden. Genauso auch bei den von dir angesprochenen TV-Shows. Niemand muss sie einschalten, aber genug Leute scheinen die sehen zu wollen, also haben sie wohl eine Daseinsberechtigung – auch wenn ich selbst der erste wäre, der die von die angesprochenen Shows abschaffen würde.

    Was ich damit sagen will: Ich respektiere deine Meinung und deine Einstellung zum Bloggen voll und ganz. Aber wenn ein A-Blogger sagt, dass diese oder jene Beiträge nicht für ihn interessant sind und das Blog deshalb aus einer Blogroll oder dem Feedreader schmeißt, so ist das eben auch eine persönliche Meinung, die es zu respektieren gilt.

    Wir sollten froh sein, dass es in der Blogosphäre eine so große Vielfalt gibt, aus der sich jeder das auswählen kann, was er möchte. :)

    Posted on März 2nd, 2010 at 02:05 Reply | Quote
  • Melli Says:

    Du solltest wissen, dass ich nie etwas auf “alle” beziehe.
    Wenn ich sage, dass ich zB. von A-Bloggern (oder Leute, die sich dafür halten) gedisst wurde, nur weil ich nicht so oft blogge, wie zum Beispiel derjenige, dann meine ich natürlich nicht ALLE dieser Sorte. Sicherlich hab ich nichts gegen Leute, die 1000 Besucher und mehr haben, warum auch? Ich hab einfach nur etwas gegen Leute, die in jeglicher Form intolerant sind und mir ist eben ziemlich oft aufgefallen, dass viele (nicht alle!) der Toplisten-Besetzer ziemlich sinnloses Zeug schreiben (was ich nicht auf dich beziehe, sonst würd ich deinen Blog einfach nicht besuchen).

    Was das Wort an sich angeht, finde ich es einfach unpassend gewählt.

    Und was mich mitunter eben auch ankotzt ist einfach dieses Gehabe. Man MUSS so und so viele Stunden davor sitzen und sich einfach irgendwas aus dem Finger saugen. Man MUSS möglichst viele Besucher haben. Es muss alles erzwungen werden und das finde ich traurig. Wenn man sich einige Zeit Arbeit macht und etwas bloggt, das Sinn ergibt und an dem man sich erfreuen kann, oder einem eine Hilfe ist, dann ist das doch in Ordnung. Aber wieso muss man zB. irgendwelche Artikel kopieren (mit Verweisen darauf) oder einfach irgendwas aus den Nachrichten posten, weil einem selbst nichts einfällt, hauptsache eine Lücke gefüllt.

    Natürlich respektiere ich es, wenn ich aus Feedreadern (ich muss dazu sagen, dass ich meine Feedanzahl nie nachgeschaut habe 8o) oder Blogrolls geworfen werde, wenn demjenigen der Inhalt etc. nicht gefällt. Aber wenn man Blogs nur ausschließt, weil sie nicht weißGott wie gut besucht sind (quasi wieder nur Linkfishing) oder weil man eine Woche nicht bloggt, vielleicht sogar nur 5 Tage, das ist doch irgendwo lächerlich.

    Im übrigen ist der Beitrag so geschrieben, um Antworten zu provozieren (weil ich die Meinung vermeintlicher A-Blogger gern hören wollte :D ).

    Posted on März 2nd, 2010 at 21:29 Reply | Quote
  • Björn Kraus Says:

    Hi;
    kann mich dem Tenor des Artikels nur anschließen.
    Wenn ich nach meinen Besucherzahlen gehen würde, müßte ich längst aufhören zu bloggen. In der Regel hab ich so um die 10 am Tag.

    Na und?
    ich schreib eben auch, wenn cih die Zeit dafür habe und dann auch über Dinge, die mich gerade interessieren und wo ich auch wirklich etwas zu sagen habe, was noch nicht eine Millionen mal woanders steht.

    Und wenn es dann 10 Leute gibt, die sich das durchlesen, die ich vielleicht damit sogar erreicht habe, dann ist das etwas wunderbares. Ende

    Sicherlich ahb ich mich auch gefraut, als ich mal über 100 Besucher am Tag hatte, aber das war Zufall und es war klar, dass das wieder auf Normalmaß zurück geht. Aber darum gehts mir beim bloggen eben auch nicht.

    Und zu guter Letzt: Dito, Real Life geht IMMER vor…

    Posted on März 2nd, 2010 at 21:53 Reply | Quote
  • Paradepower – Thema: Blogsphäre Says:

    [...] uns einen Blogeintrag, der Dir besonders viel bedeutet (egal ob von Dir selbst oder jemand anderem) Dieser Blogeintrag stammt nicht von mir selbst, sondern von Melli  (Gedankenfabrik). In dem Artikel gehts um [...]

    Posted on März 4th, 2010 at 09:48 Reply | Quote
  • Blogmarks vom 5.3.2010 « und abgesehen davon . . . Says:

    [...] Meine Meinung: A-Blogger | Gedankenfabrik – schöner Artikel über A-Blogger bzw. über den Sinn und das Verständnis von Bloggern allgemein. [...]

    Posted on März 5th, 2010 at 20:40 Reply | Quote

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